Christoph Staerkle

Biographie

Christoph Staerkle

Christoph Staerkles Schul- und Ausbildungszeit verläuft in jeder Beziehung ungewöhnlich. Bereits im zarten Alter von zwei Jahren kommt er durch seine Eltern in Kontakt mit einem Philologen, der ihn durch Privatunterricht mit der Sprache vertraut macht. Denn der 1952 als viertes Kind geborene Hans Johann Christoph Staerkle ist nichthörend und Privatunterricht ermöglicht ihm auch später eine Bildung zu erlangen und sein Talent zu entwickeln. Trotz seiner Gehörlosigkeit wird er von seinen Eltern von klein auf voll in die hörende Gesellschaft integriert, ja selbst zu Museums- und Konzertbesuchen wird der lebhafte Junge (und hier beginnt bereits seine höchst individuelle Sicht auf die Absurditäten des Lebens) mitgenommen.

Schon in der frühen Kindheit zeigt sich sein komisches Talent, seine Neugierde auf alle Formen der bildenden und darstellenden Kunst und der Drang zum Spielen. Während wir Charlie Chaplin und Buster Keaton als Kunst- und Kultfiguren dem Stummfilm zuordnen, erlebt sich Christoph Staerkle im Gegensatz dazu von Kind auf umgekehrt als einziger sprechender Protagonist in einer Welt, die mit (aus seiner Sicht) schweigenden, nur auf Mimik und Gestik reduzierten Menschen bestückt ist und die in diesem Zusammenhang täglich und stündlich, als Stummfilm vor seinen Augen ablaufen, das heisst die seine eigentliche Realität ausmachen. Für den geistreich, humorvoll und künstlerisch veranlagten Menschen Christoph Staerkle wird dieses verzerrte Wirklichkeitsbild zum Rohmaterial aller weiteren Ausführungen, die je auf der Bühne passieren werden. Ganz organisch entlarvt er mit wachsendem Reichtum an Skurrilität die unfreiwilligen Pantomimenspieler „Menschen-wie-du-und-ich“, satirisch, kritisch, bissig, laut, absurd, auch nachdenklich, weltanschaulich, poetisch. Aus dem anfangs braven, schüchternen, mit Scheitel frisierten Kind entwickelt sich mit lausbübigem Tempo der Klassenclown, der revoltierende Schüler mit Krauskopf, aus dem gelernten aber schnell arbeitslosen Tiefbauzeichner der Strassenkünstler und Bohemien.

subtil, visuell, ausdruckstark

Staerkle wird plötzlich zur leibhaftigen Verkörperung einer Person, die aus existentiellen Bedürfnissen kraftvoll und mit grossem Talent die Erwartungen und Klischees der bürgerlichen Welt über den Haufen schmeisst. Das entscheidende Element seiner Arbeit, der Humor und die witzige Art, Dinge zu erleben und darzustellen, ist während seiner ganzen Laufbahn, privat und beruflich, durchschlägig: mit Andreas Bosshard und Bernie Schürch (Mummenschanz) in Zürich, am Teatro de Gesti e Mimi mit Roy Bosier in Rom, oder bei Kursen mit Christoph Marthaler und Samy Molcho. Unter dem künstlerischen Namen Pantolino begibt sich der Mime an seine ersten Soloauftritte. Bei Jacques Lecoq in Paris (Ecolé de Mime, Mouvement et de Théâtre) stösst er auf eine Form der mimischen Darstellung, die über Technik und Tradition hinaus auf expertimenteller Ebene mit kritischem Bewusstsein individuell und staerk ausdrucksorientiert vorgeht. Hier löst er sich endgültig von dem der traditionellen Pantomime eigenen Glauben an technische Perfektion mit weiss getünchtem maskenhaftem Gesicht und der Melancholie eines im Sterben begriffenen Pierrots. Auch innerlich distanzierte er sich vom dem Namen Pantolino, der zu sehr die Assoziationen an die Commedia-dell’Arte-Tradition weckt. Staerkle unterrichtete an Studententheatern im In- und Ausland, bei diversen Schauspielschulen und gibt auch viele Workshops.

Mehrfache nationale und internationale Auszeichnungen für seine kabarettmimischen Darstellungen ohne Worte: 1. Preis beim Pantomimen-Festival in Brünn/CZ, Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern, 1er Prix du Festival de Rire von Vevey, Wiener Kleinkunstpreis „Hugo 93“.